Draculas seifige Braut

Draculas seifige Braut

oder “was hat ein Blutbad mit einem Weltrekord zu tun?”

Es fing alles so harmlos an. Superbini und der Mann an ihrer Seite saßen im Auto und hörten einen lokalen Radiosender. Ein seriös wirkender Herr aus Schleswig-Holstein berichtete über die Vorbereitungen zu einem Weltrekordversuch. Man plane, zusammen mit einer lokalen Musikkapelle das blutigste Musikvideo aller Zeiten zu drehen. Und man suche noch Statisten. Zeitgleich entfuhr es Superbini “ja wie cool” während dMaSS “oh oh” murmelte. Half alles nix. Kaum daheim, machte ich mich an die Recherche, wo und wie man sich bewerben könne. Superbini wäre nicht Sherlock Superbini, hätte sie es nicht innerhalb kürzester Zeit herausgefunden. Es erging eine Kurzbewerbung im modernen eMail-Format mit ausdrucksstarkem Foto:

Und wenige Tage darauf erging die Zusage:

 Eine Reihe von Nachrichten zwecks Informationsaustauschs später stand fest – es sollte trotz der allgemein geltenden Einschränkungen, die die Pest des 2. Jahrzehnts des 21. Jahrhundert uns auferlegte, stattfinden.

Am ersten Wochenende des Halloweenurlaubs. Der Woche, an dem wir eigentlich als einen Jahreshöhepunkt geplant hatten, am 31. Oktober zum Whitby Goth Festival zu reisen. Nun ja. Aufgeschoben… Und so ein Videodreh ist definitiv ein sehr cooler Ersatz dazu. Eine Vorbesprechung sollte am Freitag nachmittag stattfinden, die eigentlichen Dreharbeiten dann am Samstag, mit Option auf Nachdreh am Sonntag.

#raisepanic – ich brauchte eine Unterkunft. José ist toll, aber zum Übernachten völlig ungeeignet. Es sei denn, man ist Pygmäe, was ich nicht bin.

“Wenn Du zelten möchtest, kannste das im Garten vom Sänger in Hamweddel.” Ich dachte kurz an Wacken 2019, wo ich im August auf dem norddeutschen Acker schon so gefroren hatte, und beschloss, dass Zelten keine Option sei. Zum Glück fand ich eine sehr nette ältere Dame, die sich bereit erklärte, mich zu einem akzeptablen Preis in der Einliegerwohnung ihres Hauses unterzubringen. Sie sagte später, sie vermiete eigentlich nicht mehr, aber sie habe Mitleid mit mir gehabt :). So machten sich Superbini und der treue José an einem frischen Freitagmittag auf eine kleine Reise quer durch Norddeutschland.

Es war eine der wenigen Gelegenheiten im Leben, an denen ich völlig underdressed war – zum Glück gab es einen reichhaltigen Fundus an Leihklamotten, und da ich eine kostümtechnisch eher weniger anspruchsvolle Schankmaid darstellen sollte, hatte ich zunächst einen Leihumhang und später dann ein geschenktes Kleid. Ein Wikinger namens Thorsten hat mir das überlassen, es gehörte mal seiner Ex-Frau und er meinte, sie braucht es nicht mehr. Thorsten, falls du das liest – vielen Dank noch mal!

Der Drehtag war superlustig. Maleen, die Sängerin, hat uns bei ihr daheim alle geschminkt und aufgebrezelt. Haartechnisch war ja bei mir nicht viel zu machen, daher trug ich ein kleidsames Tuch auf dem Kopf.  Es trug sich alles am Dorfteich zu, an frischer Luft, mit genug Abstand zu allen – fast wie in Hollywood. Nur eben in Hamweddel.

Komischerweise waren, als es am Abend dann daran ging, sich am brennenden Klavier mit aus Rote-Bete-Pulver hersgstelltem Kunstblut aus der Gartenpumpe besprühen zu lassen, alle Freiwilligen spontan verschwunden. Es blieb noch übrig – die Band, ein netter IT-Nerd aus Hamburg, und ich. Es war dunkel. Es war schon recht kalt.

Und wir standen da und wurden aus lichter Höhe mit Rote-Bete-Sprotz beregnet. Es war nass. Es war klebrig. Es war  schon irgenwie eklig.  Ich hab versucht, neutral dreinzublicken und gehofft, dass  man nachher nicht sehen würde, wie ich vor Kälte am bibbern war. Aber was tut man nicht alles für einen Weltrekord! Oder um ins Fernsehen zu kommen!

Als ultimativen Luxus mussten wir zum Sauberwerden  nicht in den Dorfteich springen, sondern wurden in einem mit Plastikfolie ausgekleideten Kleinbus verfrachtet (übrigens war nur der Bus mit Plastikfolie ausgeschlagen, wir waren nicht in Folie gewickelt) und durften  unsere mit Rote-Bete-Glipsch eingesauten Luxuskörper im Haus von Maleen wieder in einen vorzeigbaren Zustand bringen.

Für uns Darsteller war die eigentliche Arbeit damit erledigt.  Jetzt musste noch alles fertig geschnitten und zusammengestellt werden, damit pünktlich zum Halloweensamstag die Premiere des blutigsten Musikvideos aller Zeiten bis jetzt live im Internet über die Bühne gehen konnte.

Für mich war klar, das muss adäquat gewürdigt werden. Nur wie? Wie bringt man die Assoziation dunkel und rot, den Geruch nach Lagerfeuer, Gegrilltem und Bier zusammen? Und die Erinnnerung daran, wie dreckig wir waren (ihr glaubt gar nicht, wo überall man Rote-Bete-Brei findet..). Und wie toll Duschen sein kann (auch wenn der Sprotz dann den Abfluss verstopft hat und Maleen mit einem Pümpel das Rohr wieder gangbar machen musste).

Ganz klar. Mit Seife. Eine eigens kreierte Seife musste her.  Oliven- und Kokosöl als Basis, Rizinus für den schönen Schein – äh, Schaum, und Gänse- (weil ich an ganz vielen freilaufenden Gänsen vorbeigekommen war) und Schweineschmalz (weil es Schweinesteaks vom Grill gab als Catering). Welch wunderschöne Möglichkeit, endlich mal meine neuen Duftentdeckungen Woodsmoke, Bacon und Bier auszuprobieren. Was nach getaner Arbeit hier so in der Form schlummert (schade, daß übers weltweite Netz kein Duft übertragen werden kann)

 

sieht ausgeformt, aufgeschnitten und bestempelt halloween-mässig dekoriert so aus:

Jedes Stück ist anders gemustert – wie die roten Tropfen halt in die schwarze Grundmasse eingerieselt sind:

Der Duft war am Anfang wirklich so überwältigend, dass ich die Stücke zum Reifen in den heimischen Heizungskeller gestellt habe. Da hatten sie es trocken und warm, und den Heizkessel störte es auch nicht, dass es um ihn herum nach Lagerfeuer roch.

Verschenkt hab ich sie jetzt zu Weihnachten. Da waren sie fast 2 Monate alt, gut durchgetrocknet und alt genug, die Reise in den hohen Norden (von hier aus gesehen) anzutreten. Ein erstes Teststück war vorab schon nach Bayern gegangen. Es gefiel. So hoffe ich, dass auch die anderen gefallen.

Es gab wenige Highlights in diesem Jahr. Unsere Reise nach Barcelona im Januar (damals.. als man noch reisen durfte…). Mein 21. 29. Geburtstag im Februar. Der 21.29. Geburtstag meiner Freundin Anja im Sommer, den wir auch wieder feiern durften.  Die Tatsache, dass wir bisher ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen durch die Pandemie gekommen sind.

Und eben dieses Wochenende mit den Drunken Fools. Es war eine tolle, verrückte, unvergessliche Erfahrung. Danke!

Rein in den Topf, raus aus dem Topf…

Rein in den Topf, raus aus dem Topf…

p!

Soap Challenge Club meets Superbini…

Once upon a time, our budding soapmaking talent came across a club in the depth of the world wide web. Even not being the typical club(wo)man, she decided to join.

Intrigued by beautiful pictures on the web, encouraging words of fellow soapmakers and the tempting prospect of meeting other like-minded people from all over the world. “Not feeling competitive? Join for the camaraderie!” were the words which finally tipped the scales.

When she found out that the three-months subscription was more favorable than the “Oh, I will try once and see if I have fun”- version, she went for the June to August-membership. Penny pinching and soapmaking normally do not go well along together, but hey! – life is short. There are no pockets in a shroud, and, as we know, keeping your body clean with soap maintains a good health. Win-win-win situation.

The Soap Challenge Club has different topics each month

. For the June challenge, it’s called the “one pot wonder”. Some of you might have heard of the “one pot pasta”. Pasta and salsa and other stuff are not cooked separately as usual, but you throw all ingredients in one pot and boil it until the pasta is al dente and the liquid has been soaked up by it.

 

picture courtesy of Soap Challenge Club

The Soap Challenge Club’s one pot wonder soap works slightly differently. First of all, we do not cook soap. Well, yes, there is a way of making soap called “hot process”. This is indeed kind of cooking soap, but in our case, we stick to the cold process method.

Oils and lye and perfume and colourants are mixed together, poured in a mould and let to rest until the whole mixture has saponified silently and turned into a solid bar of soap.

First step is to decide what kind of soap recipe to choose.

Depending on the technique, it may require to stay more liquid or to get solid easily. I did not want to risk anything and opted for a recipe I had used before and I knew would stay fluid quite a long time. It is called “Seidenglatt” which means “smooth as silk” and it is from Claudia Pazdernik, who runs a beautiful blog with even more beautiful soaps on it.

This is a snapshot from my working environment. You can see containers of lye and melted oils in the background, and obviously I was in the process of weighing out my colours .

 

Schwarz – gold -rot

I wanted to create one soap with strong colours, and as it was June 17th when I made the first batch, I chose the colours of the German flag – black, red and gold. The elder among us might remember that before Western and Eastern German reunited again, the 17th of June was a German national holiday .

The other batch was supposed to be with pastel shades. I chose violet, pink, white and “just add glitter” to the four portions of batter.

The one pot wonder soap’s layers are achieved by pouring all the differently coloured soap batters in one pot and then pour the whole lot along the sides of a log mould.

I had currently participated in a “swap your surplus soaping accessories” in a German speaking soapmaking internet forum. One of the ladies there had offered a silicone mould which would qualify as “tall and skinny” . Tall and skinny describes a mould which is higher than its diameter. This kind of mould would be perfect for the Soap Challenge.

And it always reminds me of the fabulous Lisa Cunningham from “I dream in soap” – in order to see why, have a look at her bee soap video – the crucial part begins at 0:19. Lisa’s tutorials were some of the first I devoured on youtube (there are lot of other great videos, too, but as you might or might not know, I am totally fond of British English, that’s why I love listening to her so much).

So here I was, with my tall and skinny, 1.4 litre soap mould.

Because I wanted to make several batches with different colourings, I kind of blocked it in the middle with a piece of cardboard packaging material from IKEA and reduced the volume.

(Un)fortunately I am no octopus, and therefore there is no picture or even video of me pouring the mix in the mould. But there are a lot of pictures of the final results of the whole thing:

Once the loaf of soap has saponi- and solidified, it is unmoulded

and can be cut in slices. I use a soap wire cutter from a German company called Lumbinigarden . Actually, these loaves were the first ones I cut with my soap cutter – whohoo… Champagne!!!

I chose a width of 2,5 cm for each slice of soap. That gives a reasonably sized bar which is still good to handle. No need for too tiny pieces of soap which would only drop and clog the drain. Or too big ones which must be held with two hands or a crane.

I let them dry for a few days before unsuccesfully trying to plane the sides and bevel the edges. But I still think they are quite lovely – and, which is more important – they are made with love and handmade by me!

And they even have kind of a face – or am I (as usual) the only one seeing faces in her soap?

I have no idea if any of my soaps will win a prize. But I loved experiencing with the colours, the scents and the technique.

The German soap is scented with Gin & Tonic from Gracefruit, by the way. For the pastel one I have created a mix of nutmeg, ylang-ylang and lavender essential oils.

Update – June 29th, 00:32 local time Smallville…

I decided to do a third batch, and used a different recipe this time. It contains 25% each of coconut, safflower, apricot kernel oil and shea butter. In order to avoid the batter to trace too fast, I only used a whisk for blending it all with the lye. And whisked. And whisked.. I know how Popeye got his muscles!!!

It spent a night in the oven (we had what the weather people call “tropical nights” – means, the temperature does not sink below 23° C) and still came out soft the next morning. I let it rest 24 hrs and unmoulded. Still felt soft. I used words which had prompted my late granny to wash my mouth with that soaft soap and put it back into the oven. After some more hours in the freezer I could cut it without crumbling.

I got soda ash on the top and sides, so I decided to plane that off. Which was, at least I do think so, a good idea as now the wavy structure of the intertwining colours are better visible.

The rules of the Soap Challenge Club say that we have to submit our competition soap until Monday noon (I haven’t found out which time zone CDT is…), and then the poll starts. So to make sure I do not miss the deadline, I submitted my isobaric chart soap half an hour ago!

The winners will be announced on July 4th. Which is pretty cool, as it might seem that the USA will celebrate the winner of the Soap Challenge Club!!!

 

Badeschaum-Blues, Baby

Badeschaum-Blues, Baby

“Baden und Cremen zugleich” lautete der Werbeslogan in den 60ern. Der Plan war, aus dem Multitaskingbadezusatz eine ansehnliche Seife herzustellen.. aber Pläne haben oft Lücken, und man sollte ja immer Mut zur Lücke haben. Nutzt also die Gelegenheit, mit mir nicht den Blues der verpassten Selbigen zu singen, sondern stimmt ein in den Badeschaum-Blues!

Irgendwo in der weltweiten Saponistencommunity tauchte die Tage anlässlich eines “wir stellen Seifen in allen Regenbogenfarben her”-Events das Thema “Fenjalseife” auf. Die unter uns, die schon länger auf diesem Planeten leben, kennen das türkisblaue Badezeugs noch unter “Fenjala”. Wusstet ihr, dass das Produkt ganz ursprünglich mal ein Schweizer Erzeugnis war, das dann über Umwege nach Zittau kam? Ja, genau. Zittau. Bekannt aus dem Beststeller von Max Goldt. Aber ich schweife wieder mal ab.

Die Idee war also, das türkisgrüne Badeöl, das zu 82% aus Sojaöl (Verseifungszahl 188–195) besteht, in einer Kombination aus möglichst hellen Ölen zu verseifen. Das sollte dann sowas hübsches wie hier oder hier ergeben. Aber wie ich oben schon erwähnte – Plan / Lücke.

Bei Rossmann hatte ich zumindest schon mal das Badezeugs gefunden. Netterweise lag an der Kasse noch ein Rabattgutschein, sodass ich einen fast unschlagbaren Preis dafür bezahlt habe. Es riecht übrigens immer noch so wie früher!

Das Rezept für die Seife besteht zu 35% aus Olivenöl, gefolgt von 25% Kokosöl, 20% Kakaobutter und 20% Sojaöl (dem Hauptbestandteil des Badeschaums). Und hier wird es spannend. 20% Sojaöl werden verlangt, aber in der zu verwendenden Flüssigkeit sind nur 82% davon enthalten.. Jeder, der mich kennt, weiss um meine Liebe zu Zahlenspielen. Diese Liebe ist seit der Grundschule ähnlich erfolgreich wie seinerzeit Romeo und Julia. Zum Glück gibt es Menschen im weltweiten Netz, die sich mit der Thematik beschäftigt haben. Dort finden dann dyskalkulatorisch veranlagte Wesen wie ich die magische Formel “durch 0,82 teilen”. Insofern wusste ich, dass bei einer erforderlichen Menge von 20% Sojaöl statt 100 g reinem Öl 122 g Badezusatz verwendet werden müssen.

Soweit, so gut. Wie beim Kuchenbacken bereitet Soaping Superbini die Zutaten zu, rührt Lauge an, schmilzt Fette und spielt mit Farbe. Die Idee, das Blaugrün des Badeschaums durch die Zugabe von Glitzerfarbe noch zu steigern, war im Prinzip eine gute (Spass gemacht hat es auch)

Im Vordergrund der Blaue Badeschaum, im Hintergrund die mit grünem Glitzer eingefärbten Standardfette. Nicht im Bild ist der Behälter mit der Lauge, der hing zum Zeitpunkt der Aufnahme noch in einem Behälter mit kaltem Wasser zum Abkühlen.

Einer der faszinierenden Aspekte beim Seifenmachen sind die spannenden Reaktionen, die beim Aufeinandertreffen von Chemikalien entstehen. Und, auch wenn unsäglich schlechte Werbung für eine Schmerzsalbe (“nein, die ist doch chemisch”) weismachen will, dass dem nicht so ist – alles ist Chemie. Irgendwie. Auch wir.

Wenn man nun Ätznatron in Flüssigkeiten einstreut, wird es im besten Falle nur sehr warm. Je nach Flüssigkeit riecht es komisch (Kaffee z.B.) oder noch komischer (Bier) oder stinkt (Milchprodukte – das habe ich allerdings nur gelesen, ein Versuch steht noch aus.. Stay tuned!).

Auch bei der Zugabe von Düften in den Seifenleim passieren interessante Dinge. Manche verfärben mit der Zeit dunkel wie hier bei meiner ersten Bananenseife:

Bananabrain frisch
Bananabrain (rechts im Bild) nach 8 Wochen

Bei unserer Grünen Fee liegt das Problem allerdings anders. Im Badezusatz sind ausser Sojaöl noch diverse andere exotische Ingredienzen. Und die führen dazu, dass nach zwei Rührstössen mit dem Pürierstab die Mischung sofort beginnt anzudicken. Das ist blöd, wenn man darauf nicht vorbereitet ist, aber ich hatte das irgendwo schon gelesen und wusste, was da eventuell auf mich zukommt.

Aber irgendwas ist ja immer. Der Seifenschleim war dann doch weniger flüssig als ich gehofft hatte. Und wie das so ist – wenn man es in die Förmchen schichtet, bleiben (ähnlich wie bei den Horrorhasen) immer Schichten. (Zeit für den Badeschaum-Blues 🙂 )Die sehen zwar vielleicht auch nett aus, für einen Geologen zumindest, aber ich fand sie nicht wirklich schön:

Was macht man in einem solchen Fall? Man greift zur Reibe und schnitzelt die Seifenbrocken klein. Im Idealfall ohne Zugabe von Fingerkuppen.

Die Seifenraspel leert man in eine Topf, den man wiederum in einen grösseren, mit Wasser gefüllten Topf, stellt. Eine Art Bain Marie pour Savon sozusagen.

Ich gebe immer noch ein Doppelschnapsglas Wasser mit dazu. Das beschleunigt das Schmelzen. Es gibt da keine festgelegte Methode. Viele andere Saponistinnen fügen noch Öl dazu. Das wird mir aber bei meinen Überfettungsraten (genauer gesagt, der Überfettungsrate meiner Seife…) zu ölig. Man rührt die schmelzenden Schnipsel ordentlich zusammen, püriert ggfs noch ein- zweimal durch und füllt die nun etwas fluffige Masse wieder in Förmchen.

Da standen sie nun, die refurbished Badeschaum-Blues Seifenstückchen. Bei 70 Grad noch mal ein Stündchen im Backofen durchgewärmt.

Und was soll ich sagen – als ich sie am nächsten Tag aus der Form nahm – waren sie noch hässlicher als vorher!!!! Man mag es kaum glauben (hier sollte das augenrollende Smily stehen – Zeit für den Badeschaum-Blues!)

Wenn man die Fettbrösel aber mal abgewaschen hat, sieht es aber gleich nicht mehr ganz so fies aus (und es macht auch frisch einen schönen Schaum und riecht gut)

Dickköpfig, wie ich bin, musste ich aus dem Rest von 62 g Badezeugs am nächsten Tag noch mal eine Charge machen. Diesmal habe ich das blaue Gift aber erst nach der Emulsion der “normalen” Öle / Lauge hinzugegeben. DAS hätte ich gleich mal machen sollen. Die Reststücke haben zwar auch irgendwelche Bläschen (Pockenseife – der neue Trend…), aber sie sind weder schichtig noch schwammig:

Fazit: Am Ende wird’s immer Seife. Und ich werde den Rest des Jahres diskret nach Fenjala duften.

CocoChoco-Einhorn

CocoChoco-Einhorn

Was haben Cupcakes und Seife gemeinsam? Richtig. Man hat lange was davon. Die Cupcakes bleiben lange auf den Hüften, die Seife lange in der Seifenschale. (Memo an mich selbst: Projekt “Seifenschale” nicht vernachlässigen)

Es war ein regnerisches Wochenende im idyllischen Smallville. Unsere Heldin hatte sich eine lange to-do Liste gemacht. Wäsche waschen. Staubsaugen. Generell ein bisschen aufräumen. Das Gefrierfach abtauen. Und als Belohnung für erfolgreiches Abarbeiten stand dann “die neue Einhorncupcakeform ausprobieren”.

Vor einiger Zeit hatte ich in einem französischsprachigen Blog ein Rezept gefunden, wo die Erstellerin einen Teil des Seifenschleims mit Kakao eingefärbt hatte. In der Masse höchstselbst wurde die Lauge mit Kokosmilch angerührt und zum Abrunden war dem ganzen noch ein ordentlicher Schwupps Kokosmilch zugefügt worden. Ich fand die Idee gut, habe das Rezept dann aus mir jetzt nicht mehr einfallenden Gründen abgewandelt und es nun endlich mal ausprobiert.

Was ihr hier seht, ist ein Klumpen Kokosmilch. Die Form entsteht durch das Einfrieren in einer halbrunden Silikonschale. Irgendwie muss das ja aus der Form wieder raus. Die Struktur ist der Hammer, oder?

War fast zu schade um es dann in eine Schüssel zu werfen, mit Laugenperlen zu bestreuen und langsam zum Schmelzen zu bringen.

But this is how you do it – life shows no mercy. Not even für gefrorene Kokosmilch.

Der Rest ist schnell erzählt. Die festen Fette (Kokosöl und Sheabutter) werden geschmolzen und mit den flüssigen (Olive, Reisöl – aus dem Asialaden am Berliner Tor – und Rizinusöl) vermengt. Dann gibt man die Kokoslauge hinzu und rührt alles schön glatt. Einen Teil davon habe ich in eine kleinere Kanne umgefüllt und dort dann mit dem Kakao vermengt.

mit dem schwarzen Seifenschleim habe ich zunächst die Vertiefungen mit den Einhörnchen ausgegossen:

Weil ich sicherstellen wollte, dass die nicht zerfliessen, wenn ich den hellen Seifenleim draufgiesse, habe ich die Form eine halbe Stunde in das zuvor abgetaute Gefrierfach gestellt. Jetzt wisst ihr auch, warum ich es abtauen musste. Es war einfach zuviel Kram drin. Kein Platz für Seife.

Ich habe leider vergessen, den Schritt zu dokumentieren, wenn der helle Schleim auf die Einhörnchen gegossen wird. Muss wohl die Vorfreude auf den inzwischen mit Glitzer angereichterte Kakaoseifenmasse gewesen sein. Die habe ich im Anschluss mehr oder weniger gleichmässig auf die einzelnen Förmchen verteilt.

Die verwirbelten Effekte (in Saponistenkreisen sagt man “Swirl”) erreicht man, in dem man mit irgendwas ein paarmal willkürliche Kringel durch den Teig zieht (ihr seht – Seife machen ist wirklich wie Backen).

Die auf dem Foto wie Staub wirkenden hellen Punkte sind kein Staub, sondern Glitzerpartikel. Aus meinem Fundus in langen Jahren zusammengetragen. Als ob ich es geahnt hätte.

Die Einhornpralinchen waren relativ lange weich. Das lag einerseits daran, dass ich den Teig nicht so doll gerührt habe, dass er das Stadium von Kartoffelpü erreicht hätte. Andererseits hatte ich die Kokosmilch drin und noch relativ viele flüssige Öle. Das verbindet sich auch mit dem Natron zu Seife, aber es braucht halt seine Zeit. Insgesamt waren die gute 24 Stunden in der Form. Zur Sicherheit habe ich sie aber vor dem Rausdrücken noch mal 2 Stunden in den Freezer gestellt. Dann schwitzen sie zwar beim Auftauen ein bisschen, aber das trocknet auch wieder ab.

Und so sieht’s dann fertig aus. Von vorne, von hinten und von der Seite:

Nein. Man kann sie leider nicht essen. Man könnte dran lecken. Aber ob das dann so schmackhaft ist?

Carrobbits!

Carrobbits!

Hallo liebe Saponistengemeinde,

Ostern steht ja sozusagen vor der Tür und angeregt durch die vielen niedlichen Häschen im Seifenforum (ich meine natürlich die Seifenhäschen, also die aus Seifenschleim in entsprechenden Formen gegossenen) habe ich überlegt, was so zu Häschen passt.

Karotten natürlich. Und so war die Idee zu den Carrobbits (Kurzform für CarrotRabbits) geboren. Die passende Form kam diesmal nicht aus China (der langen Versandzeit, nicht des Virus wegen) sondern von einem grossen Onlinehändler. Das Rezept habe ich irgendwo im weltweiten Netz gefunden und ein bisschen abgewandelt. Warum, weiss ich gerade selbst nicht mehr.

Mein Olivenöl war alle, und ich hatte auch nur normales Sonnenblumenöl. Nota bene: zum Seifenmachen nimmt man besser ein sogenannten h.o. Sonnenblumenöl. Das enthält ganz viele gesättigte Fettsäuren (bee-do bee-do), was man eigentlich ja vermeiden sollte, wenn man sich supergesund ernährt. H.O. SBÖ wird bei uns als Bratöl verkauft, weil man es höher erhitzen kann als das normale Bio-SBÖ, und es wird in der Seife nicht so schnell ranzig. Nicht dass ich da irgendwelche Erfahrungswerte aufweisen könnte, aber so steht es geschrieben – warum also ein Risiko eingehen.

Karottensaft und Karottenpüree habe ich auch eher selten daheim. Nachdem ich den Saft mal probiert habe, weiss ich auch warum. So eine Sauerei! Karotten esse ich ja wirklich gerne, sowohl gekocht als auch roh, aber Saft wird 100%ig NICHT mein Lieblingsgetränk. Ich wüsste auch nicht, wie man den geniessbar machen könnte.  Und das Pü..   Ich weiss jetzt, warum Babies das wieder ausspucken.

Aber ich schweife ab. Falls es jemand von euch nachkochen möchte – voilà le Rezept. Angaben zum Natron (kontextbezogen, weil wir hier von Seifen reden und nicht von Kuchen, handelt es sich natürlich nicht um Backnatron. Ich schreibe das, weil es wohl Menschen geben soll, die mit eben diesem Backnatron versucht haben sollen, Seife herzustellen. Ich kann den Wahrheitsgehalt dieser Aussage nicht verifizieren, allerdings ist die Dummheit der Menschen im Gegensatz zum Universum ja bekanntlich unendlich. Und ich will nicht dran schuld sein, dass jemand am Ende auf einem Haufen ekligem Backnatron-Öl-Gemisch sitzt und sich wundert) sind wie immer geschwärzt bzw. ausgehast. Das, meine lieben Saponistenfreunde, müsst ihr euch schon selbst ausrechnen 🙂

Den Karottensaft hatte ich eingefroren. Das wurde im Originalrezept so empfohlen. Das Einfrieren von exotischen Zutaten, mit denen die Laugenperlen verrührt werden, soll dafür sorgen, dass die Temperaturen, die beim Auflösen der Perlen entstehen, sich im erträglichen Rahmen bewegen. Bei der Bierseife war das schön zu sehen, das hat wirklich gedampft. Der Möhrensaft hätte es sicherlich auch noch ausgehalten. Milch / Milchprodukte oder Zucker aller Art (wartet auf meine Banenseife!!) sollen regelrecht verbrennen (so las ich).

Was hier aussieht wie Eigelb mit Styroporkügelchen ist auftauender Möhrensaft mit Natronperlen. So oder so nicht lecker.

Wenn  es keine Kügelchen mehr im Saft zu sehen gibt, schüttet man die Möhrenlauge durch ein Sieb (es könnten sich ja noch heimtückische Laugenperlen versteckt haben) in die vorher geschmolzenen und gemischten Öle. Das Karottenpüree und das Duftöl noch mit rein. Zur Parfümierung habe ich diesmal “Love Potion” von Gracefruit gewählt. Laut Beschreibung auf der Website des Herstellers riecht es nach “Am Baum gereifte Pfirsiche, Äpfel und Birnen gemixt mit süßen Beeren, Mandarinen, Fruchtblüten und weichem Moschus – ausbalanciert mit ein wenig Vanille“. Von mir aus. Hauptsache es riecht nicht nach Hasenstall.

Dann fängt man das Rühren an.

Und rührt..

Und rührt..

Diesmal war es echt hart. Also weich. Das war hart. Es wurde ums Verr** nicht viskos. Aber da ich ja in der Vergangenheit schon einige Überraschungen mit “die letzte Umdrehung war eine zuviel” hatte, liess ich es diesmal auch langsamer angehen. Es reichte sogar noch, um einen Teelöffel quietschrote Pigmente unterzurühren. Daher die müllmannorangene Farbe des Seifenschleims – so richtig rot wurde der nämlich nicht. Aber nach einer gewissen Zeit hatte er eine schöne giessfähige Konsistenz und durfte ins Häschen.

Die Menge war diesmal sogar ausreichen für 6 Häschen und eine kleine eckige Form.

Das wird dann das Probestück. Da muss ich zum Testen dann keinen Hasen schlachten.

Ob ich es überhaupt über’s Superbinchenherz bringen werde, die herzigen Häschen anzuwaschen, muss ich mir sowieso überlegen. Sind sie nicht allerliebst?

Veggie Day!
Ein schöner Rücken kann durchaus entzücken.